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Sappho mal ganz anders

Der englische Schriftsteller Lawrence Durrell ist vielen Inselhüpfern als Autor hervorragender Bücher über seine Zeit auf Korfu (Schwarze Oliven) und Rhodos (Leuchtende Orangen) bekannt. Dass er auch Theaterstücke schrieb, wissen nur wenige – und dass darunter eins ist, das auf Lesbos spielt, weiß fast keiner. Verfasst hat Durrell es 1947 auf Rhodos, uraufgeführt wurde es im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg im Jahr 1959. Regie führte der berühmte Gustav Gründgens. Elisabeth Flickenschildt spielte die Titelrolle der Sappho, Maximilian Schell trat als Phaon auf, Bruder des lesbischen Feldherrn und späteren Tyrannen Pittakos. Die Textmenge, die die Schauspieler zu bewältigen hatten, war gewaltig, und erinnert an das, was antike Sänger wie Homer geleistet haben.

Das Drama in neun Szenen spielt im 7./6. Jh. v.Chr. in Eressos. Sappho ist schon zu Beginn eine alternde, anfangs leicht leicht stotternde, weltberühmte Dichterin mit immer mehr grauen Haaren. Sie ist Lesbierin, aber keineswegs lesbisch. Sie himmelt hier keine jungen Mädchen an, sondern mischt sich in die Politik ein. Sie hat  zwei Kinder mit ihrem Ehemann, einem wohlhabenden Händler – der sich später als ihr eigener Vater entpuppt. Der Machtmensch Pittakos liebt sie, verbannt sie aber dennoch nach Korinth, von wo aus sie den Untergang des Pittakos vorbereitet.

Das Stück ist nur gute Lektüre für den, der komplizierte Gedankengänge nicht scheut. Es ist keine leichte Kost, kann aber durchaus intellektuelles Vergnügen bereiten.