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Besucht doch mal 'ne Schneckenfarm auf Kreta!

Stavros Chalkiadakis und seine Frau Vasso sind seit 2012 bei Tilissos auf Kreta zu Hause. Vorher haben sie sieben Jahre lang in Athen gelebt, aber sie fanden die meisten Menschen dort völlig verrückt: „Es gibt so viele Leute dort – und kaum einer kennt seine Nachbarn!“

 

Jetzt betreiben sie nahe dem Bergdorf mit einem sehenswertem minoischen Gutshof eine Schneckenfarm. Die schleimigen Tierchen sind ein Lieblingsgericht vieler Kreter. Manche sammeln sie selbst in freier Natur, die meisten aber kaufen sie auf den Märkten. Die beliefert auch Stavros. Weitere Abnehmer sind Restaurants und Tavernen. Zwei bis zweieinhalb Tonnen erntet er jährlich auf dem Stück Land, das er von seinem Großvater erbte. Das Kilo verkauft er für fünf bis sechs Euro. Zwei Rezepte gibt es zu jedem Kilo dazu – ein klassisches und eins, das Stavros und seine  Frau selbst entwickelt haben. Auch mit dem Export nach Spanien haben sie es schon probiert, aber da wurden zu niedrige Preise erzielt.

 

Stavros und seine aus dem nordgriechischen Verria stammende Frau haben sich 2003 kennengelernt. Die studierte Sozialarbeiterin arbeitete damals ebenso wie Stavros in der Gastronomie. Den richtigen Umgang mit den Schnecken haben sie sich selbst beigebracht. Jetzt wissen sie fast alles über die Gefleckte Weinbergschnecke, Helix aspersa.

 

Erstaunenswert finden sie vor allem deren Faulheit. Sie schlafen von der Außenwelt abgekapselt zwischen Mai und September und begeben sich auch zwischen Mitte Dezember bis Ende Januar noch einmal zur Ruhe. Auch in ihren wachen Monaten bewegen sie sich nur, wenn es regnet und halbwegs kühl ist. Damit sie dann nicht aus den für sie angelegten Beeten und Gewächshäusern fliehen, streut Stavros als eine Art Zaun Salz aus – das ist viel effektiver als Netze oder Elektrodrähte. Als Klettergerüste hat ihnen Stavros Gestelle aus bambusähnlichem Kalami errichtet, den er nur bei Neumond erntet. Der bleibt anders als Holz oder Kunststoff frei von Mikroben. Zur Abwehr dieser Mini-Lebewesen werden auch alle seitlichen Umrandungen weiß gekalkt – wie die Bäume an vielen Straßen und Plätzen. Trotzdem gehen immer wieder Schnecken ein: alle zwei Tage muss Stavros tote Tiere einsammeln. Außer den Mikroben sind Nacktschnecken und Mäuse die Hauptfeinde der Haus-mit-sich-Träger und vor allem von deren Eiern. 60-120 legt jedes Tier ein- oder zweimal im Jahr. Das Futter für die Mollusken mischen Stavros und Vasso selbst an. Es besteht überwiegend aus Äpfeln, Auberginen und Kohl sowie pulverisiertem Getreide mit zugesetztem Calcium.

 

Seit vier Jahren haben die beiden ihre „Snail Farm“ abseits der Straße von Tilissos nach Anogia für Besucher geöffnet. Statt Eintritt zu bezahlen erhalten die für drei Euro einen Soft Drink oder einen griechischen Kaffee. Einer der beiden führt sie dann ein halbes Stündchen über den Schneckenhof. Vasso hat in der Schule Englisch und Französisch gelernt, Stavros hat sich Deutsch selbst beigebracht. Weil zunehmend mehr Russen kommen, lernt er jetzt auch Russisch: Das blaue Schulheft mit Vokabeln liegt stets griffbereit auf seinem Gartentisch, an dem er auch seine Gäste bewirtet. Nebenbei studiert Stavros auch seine Touristen. „Nur Deutsche tragen Socken in Sandalen“, hat er festgestellt, „und Russen sagen bei Ankunft nie Kalimera, sondern sagen nur, dass sie Russen sind, wenn sie aus ihrem Auto aussteigen. Wer nicht Russisch kann, hat bei den meisten von ihnen keine Chance.

 

Bei der Führung über die Farm lernen Besucher auch die drei einst herrenlosen Hunde kennen, die hier ein neues Zuhause gefunden haben. Sie werden in einen kleinen Stall geführt, in dem Stavros Fleisch- und Legehühner hält. Auch da hilft ihm selbst angemischtes Futter bei der Mikrobenabwehr: Er mischt Knoblauch, Salbei und Minze unter die Körner. Den beiden Schneckenzüchtern ist beim Rundgang vor allem eins wichtig: „Man muss viel mit den Touristen reden und ihnen das Herz öffnen – das brauchen sie vor allem!“