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Im Winter auf die griechischen Inseln?

 Inseln für den kommenden Winter

 

Im Winter sind die meisten Badeorte auf den Inseln kaum wiederzuerkennen. Faliráki auf Rhodos gleicht einer Geisterstadt, in Laganas auf Zakinthos würden sich sogar Cowboys völlig verlassen vorkommen. Nahezu alle Hotels und Tavernen in den sommerlichen Urlaubermetropolen sind geschlossen, ihre Scheiben oft mit Zeitungspapier verklebt. Liegestühle und Sonnenschirme sind fortgeräumt, die vielen Saisonarbeitskräfte in ihre großen Heimatstädte zurückgekehrt. Junge Wirte, die gut verdient haben, machen gern in Thailand oder Goa Urlaub, ältere Gutverdiener gehen mit ihrer Partnerin auf Reisen zu heiligen Stätten im In- und Ausland. Und wer wie so viele kein Arbeitslosengeld bekommt, verdingt sich bei der Olivenernte. Wer ein Urlaubsquartier sucht, wird überwiegend in den Inselstädten fündig. Denen hauchen die Einheimischen auch in der kalten Jahreszeit genug Leben ein. Inselzwerge wie Anafi, Sikinos und Serifos hingegen gleichen Luftballons, aus denen die Luft abgelassen wurde. Da fühlen sich zwischen November und Mitte März bestenfalls hartgesottene Hobby-Eremiten wohl.

 

Rhodos im Winter

 Auch Rhodos, Griechenlands viertgrößte Insel, ändert im Winter weitestgehend ihr Gesicht. In der ausgedehnten Altstadt zwischen den Festungswällen aus dem 16. Jh., die fast kein einziger Neubau verschandelt, sind jetzt mehr Katzen als Menschen unterwegs. Nahezu alle Cafés, Tavernen und Geschäfte sind geschlossen, kein einziger Pelzmantel wird hier mehr verkauft. Mal sind die großen Pfützen auf den Gassen ein Problem, dann wieder heftige Winde. Der einzige wirklich  gemütliche Rückzugsort ist das Café d'Auvergne in einer alten Ritterherberge, die täglich schon ab frühmorgens geöffnet hat und in der abends oft Live-Musik zu exzellentem Essen und guten Weinen erklingt. Gleich gegenüber liegt das jetzt fast immer menschenleere Archäologische Museum im historischen Hospital des Johanniterordens. Der Eintritt kostet jetzt wie für viele Museen und Ausgrabungsstätten des Landes nur die Hälfte und ist am jeweils ersten Sonntag des Monats zwischen November und März sogar völlig kostenlos. Gleich neben dem Museum beginnt die historische Ritterstraße, die hinaufführt zum Großmeisterpalast - auch da tummelt sich jetzt außer sporadischen Schulklassen kaum ein Mensch. Noch ein großer Bonus im Winter: An schönen Tagen ist die Fernsicht oft exzellent, erscheinen hier auf Rhodos die oft bizarren Gipfel des türkischen Festlands zum Hinüberschwimmen nah.

Anders als in der Altstadt herrscht im Winter in der ausgedehnten Neustadt normales Treiben. Hier wohnen die Einheimischen, nicht in den 500 und mehr Jahre alten Gebäuden zwischen den Stadtmauern. In der Neustadt sind fast alle Hotels, Läden, Cafés und Restaurants geöffnet, nur die Konditoreien im bildschönen Bau der italienischen Faschisten, der Nea Agora, sind bis auf eine geschlossen. Direkt vor diesem >Neuen Markt< fahren die Linienbusse in die Inseldörfer ab. Ein Ausflug ins Bilderbuchdorf Lindos mit seiner antiken Akropolis lohnt auf jeden Fall, auch wenn das im Sommer vor lauter Touristen kaum noch erkennbare Örtchen jetzt fast menschenlos ist. Und auch die kleinen Katamarane der lokalen Fährlinie 12ne.gr verkehren täglich, machen Tagestouren zu Inselzwergen wie Chalki, Symi, Tilos und NIssyros möglich. Da kann man bestens Inselorte im Winterschlaf studieren.

 

 

Lebendiges Korfu

Anders als auf Rhodos ist auf Korfu die venezianisch geprägte Altstadt auch im Winter das Einkaufs- und Vergnügungszentrum der Insel, zumal hier noch viele Menschen in den historischen Gebäuden leben. Die vielen schönen Gassen sind zwar etwas leerer als im Sommer, aber keineswegs tot. Beim Spaziergang am Meer entlang zwischen Windmühle und Altem Hafen hat man die schneebedeckten Berge Albaniens und des Epirus vor Augen, wenn es nicht regnet - das freilich tut es hier öfter als auf dem viel weiter südlich gelegenen Dodekanes. Das archäologische und das byzantinische Museum bieten zusammen mit dem Museum asiatischer Kunst, den venezianischen Burgen und der historischen Seifenfabrik Patounis Programm genug für zwei ganze Tage. Und außerdem sind da ja noch das Achillion, einst Sommerresidenz der österreichischen Kaiserin Sisi und des deutschen Kaisers Wilhelm II., und das Schlösschen Mon Repos, in dem der englische Prinzgemahl Philipp geboren wurde. Einen besonderen Reiz bei einer Inselrundfahrt bieten die uralten Olivenurwälder, wo jetzt unter den Bäumen überall schwarze und grellorange Netze für die Olivenlese ausgerollt  sind. Manchmal sind sie sogar über kleine Sträßlein gespannt.   

 

 

Syros - Beamte als Lebensquell 

Eine Insel mit viel winterlichem Leben in ihrer Hauptstadt ist Syros. Ermoupolis, größter Ort Kykladen, zählt über 11 000 Einwohner. Weil Syros der Verwaltungssitz des Archipels ist und viele seiner Bewohner Staatsbedienstete sind, zieht keiner im Winter weg. Und auch die verbliebenen Beschäftigten in der einst größten Werft der Ägäis, bleiben hier. So ist hier kaum ein Unterschied zum sommerlichen Leben zu bemerken. Als einzige Insel der Ägäis besitzt Syros ein bildschönes historisches Theater, das von verschiedenen Laiengruppen ganzjährig bespielt wird. Natürlich trägt es den Namen des antiken Gottes der Schönheit und der Künste, Apollon. Die Malereien in den Decken Medaillons zeigen u.a. Homer über Mozart und Verdi, drei Ränge bieten in ihren Logen jeweils vier Zuschauern Platz. Zusammen mit den Sesseln im Parkett bietet das Theater etwa 300 Zuschauern Platz. Eingeweiht wurde es mit Verdis >Rigoletto< schon 1864. 

Dass sich die Syrioten schon im 19. Jh. ein eigenes Theater leisten konnten, mit dem damals bestenfalls Athen und Korfu konkurrieren konnten, lag am wirtschaftlichen Wohlstand der Insel. Syros war damals Industriestadt und Handelsmetropole, wäre fast statt Athen Griechenlands Hauptstadt geworden Das Industriemuseum in Ermoupolis erzählt anschaulich davon. Viel Raum wird der einst bedeutenden Druckindustrie der Insel gewidmet - schon 1831 erschien hier die erste Tageszeitung Griechenlands (zweisprachig, Griechisch und Französisch). Es gab Textilfabriken, eine Gerberei und eine Manufaktur für Kristallglas, Hersteller von Limonaden, Gemüsekonserven, Bonbons und vor allem von Loukoumia und Chalvadopitta. Für diese beiden süßen Leckereien hat Syros auch heute noch in ganz Hellas einen guten Namen. 

Wirtschaftlich viel bedeutender waren freilich die Handelsschifffahrt und vor allem die lange Zeit größte Werft des ganzen Landes. 1840 besaßen syriotische Reeder 468 hochseetaugliche Schiffe - siebenmal mehr als Reeder aus Athen und Piräus. Und die 1861 gegründete Neorion-Werft bedeutete Griechenlands ersten Schritt ins Industriezeitalter. Hier wurden Griechenlands erste Dampfschiffe erbaut - und In den 1970er Jahren, sogar eins der ersten Elektro-Autos der Welt, der Enfield 8000. Ein Exemplar davon steht heute im Industrie-Museum von Syros. 

 

Kalymnos - Kletter-Tourismus statt Schwammtaucherei

Eine Stadt voll winterlichen Lebens ist auch Pothia, der Hauptort von Kalymnos. Hier ist in der kalten Jahreszeit sogar mehr los als im Hochsommer. Fast 1000 Familien auf der Insel leben noch von der Fischerei. Die Männer sind jetzt seltener draußen auf See, haben mehr Zeit für Cafés und Tavernen. Zudem gibt es auch ganz spezielle Touristen. Die kahle Felseninsel hat sich nämlich in diesem Jahrtausend zum Traumziel von Kletterern aus aller Welt gemausert. Wer in ihren nackten Felsen hängt, hat fast immer das Meer vor Augen - das macht die Destination so einzigartig. Auf die Rock Climber, die im Frühwinter und Frühjahr kommen, hat sich Kalymnos bestens eingestellt. Über 2000 Routen sind präpariert und werden auch bestens beschrieben, kleine Läden bieten alles für die Ausrüstung an, sogar Kletterführer stehen bereit. Und etliche Pensionen an der Westküste, die im Sommer von eher bescheidenem Badetourismus leben, bleiben geöffnet. Auch wer nicht klettert, kann hier gut ein paar Wintertage genießen. Mehrere Klöster werden noch von Mönchen oder Nonnen bewohnt, im windgeschützten Tal von Vathy hängen die Früchte an Tausenden von Zitrusbäumen und ein kleines archäologisches Museum mit einigen der wertvollsten antiken Bronzestatuen Griechenlands gibt es auch. Im Schwammtaucher-Museum kommt man der Wirtschaftsgeschichte auf die Spur - und in mehreren Schwammhandlungen kann man zuschauen, wie Schwämme bearbeitet werden. Außerdem fahren täglich mehrere Fähren zur Insel Kos hinüber, wo das antike Asklipios-Heiligtum und die Inselhauptstadt mit ihren vielen archäologischen Stätten gerade im Winter einen Besuch lohnen.  

 

  

Karneval und  Ostern

Wer auch im Winter auf den Inseln etwas erleben will, kommt am besten in der letzten Karnevalswoche. Fasching nämlich wird auch in Griechenland gefeiert -  2022 allerdings eine Woche später als in Deutschland. Der Rosenmontag 2022 fällt nach dem orthodoxen Kalender auf den 7. März. Auch überregional für ihre besonders traditionell-dionysischen Faschingsbräuche bekannt ist dabei das Inselchen Skyros, eine der Nördlichen Sporaden. Mehr im venezianischen Stil hoch her geht es in der Stadt Korfu, in Archangelos auf Rhodos und in Rethimno auf Kreta. Ostern fällt im nächstern Jahr: auf den 24./25. April. Da ist leider immer noch kein Badewetter...

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