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Theaterstücke für Griechenlandfans

Sechs Theaterstücke habe ich gefunden, die auf griechischen Inseln spielen: Auf Ithaka,  Salamis, Kos, Lesbos und Limnos. 

 

Auf Ithaka spielt ein um 1550 geschriebenes Stück vom Nürnberger Meistersinger  und Schuhmacher Hans Sachs. Er schrieb es kurz nach Erscheinen der ersten deutschen Übersetzung von Homers Odyssee.  Es trägt den Titel Die Irrfahrt Ulissi. Vor allem die Heimkehr des Helden nach Ithaka wird dargestellt. Das spätmittelalterliche Deutsch ist zwar etwas mühsam zu lesen, aber durchaus auch ohne Wörterbuch verständlich. Es ist schön zu sehen, welches Bild des antiken Seefahrers den Handwerkern des Mittelalters gezeichnet wurde.

 

Über die Seeschlacht von Salamis hat der Grieche Jean P. Coutsocheras in den 1950er Jahren das Theaterstück Ein Spiel von der Seeschlacht von Salamis und der Insel Ägina geschrieben. Ich habe es nicht gelesen, weil es antiquarisch nicht aufzutreiben war.

 

Im Asklipieion auf Kos spielt eine kurze Komödie des Herondas. Er war ein griechischer Dichter des 3. Jhs. V. Chr. Neun seiner als Mimiamben bezeichneten Bühnenstücke sind vollständig erhalten geblieben. Sie wurden in der Antike wahrscheinlich als Pantomimen mit Dialogen in kleinen Theatern wie dem Odeon von Kos aufgeführt. Die Figuren des Heronadas entstammen zumeist der Unterschicht, in den Stücken geht es um Alltagsthemen. Eine dieser Mimiamben erzählt vom Besuch zweier schlichter Frauen, Kynno und Kokkale, im Asklipieion von Kos, wo sie ein Opfer darbringen. Mit einfachen Worten bewundern sie die dort aufgestellten Kunstwerke. Große Literatur ist das nicht – aber man gewinnt einen Einblick ins Leben, wie es früher im Heiligtum herrschte. Die Mimiamben gibt es in einer preiswerten Reclam-Ausgabe und im Georg Olms Verlag in einer gebundenen, ausgiebig kommentierten Ausgabe.

 

Der englische Schriftsteller Lawrence Durrell ist vielen Inselhüpfern als Autor hervorragender Bücher über seine Zeit auf Korfu (Schwarze Oliven) und Rhodos (Leuchtende Orangen) bekannt. Dass er auch Theaterstücke schrieb, wissen nur wenige – und dass darunter eins ist, das auf Lesbos spielt, weiß fast keiner. Verfasst hat Durrell es 1947 auf Rhodos, uraufgeführt wurde es im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg im Jahr 1959. Regie führte der berühmte Gustav Gründgens. Elisabeth Flickenschildt spielte die Titelrolle der Sappho, Maximilian Schell trat als Phaon auf, Bruder des lesbischen Feldherrn und späteren Tyrannen Pittakos. Die Textmenge, die die Schauspieler zu bewältigen hatten, war gewaltig, und erinnert an das, was antike Sänger wie Homer geleistet haben.

Das Drama in neun Szenen spielt im 7./6. Jh. v.Chr. in Eressos. Sappho ist schon zu Beginn eine alternde, anfangs leicht leicht stotternde, weltberühmte Dichterin mit immer mehr grauen Haaren. Sie ist Lesbierin, aber keineswegs lesbisch. Sie himmelt hier keine jungen Mädchen an, sondern mischt sich in die Politik ein. Sie hat sie zwei Kinder mit ihrem Ehemann, einen wohlhabenden Händler – der sich später als ihr eigener Vater entpuppt. Der Machtmensch Pittakos leibt sie, verbannt sie aber dennoch nach Korinth, von wo aus sie den Untergang des Pittakos vorbereitet.

 

Das Stück ist nur gute Lektüre für den, der komplizierte Gedankengänge nicht scheut. Es ist keine leichte Kost, kann aber durchaus intellektuelles Vergnügen bereiten.

 

Auf Limnos spielt schließlich die antike Tragödie Philoktet von Sophokles. Es gibt sie auch in einer modernen, umfangreichen Neubearbeitung des DDR-Dramatikers Heiner Müller, die immer noch recht häufig auf deutsche Bühnen kommt. Darüber werde ich in Kürze mehr berichten. 

 

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