· 

Griechenlands schönste Beach Bars

Beach Bars sind sicherlich keine griechische Erfindung. Aber wohl nirgends sonst am Mittelmeer gehören sie so essentiell zum sommerlichen Strandleben wie an der Ägäis. Der hellenische Hot Spot für Beach Bars schlechthin ist dabei der mittlere Finger der Chalkidiki, die Sithonia. Ihre Hauptklientel sind die Wochenendgäste aus Thessaloniki. Auf den Parkplätzen dieser Schiggi Miggi-Beach Bars mischen sich Mountainbikes mit Edelkarossen, besonders cool ist die Anfahrt mit dem eigenen Speedboat. Ihre Namen erwecken Urlaubsträume: Porto Paradiso, Africafé oder Goa sind an der Westküste zwischen Sarti und Vourvourou die wichtigsten Adressen. Da wird im Anblick des heiligen Bergs Athos noch die Nacht durchgerockt, wenn die Mönche in ihren 20 Klöstern gegenüber schon wieder zum Morgengebet antreten. Ganz dem Ethno-Trend verschrieben hat sich die sehr viel unprätentiösere Ethnik Beach Bar an der anderen, der Halbinsel Kassandra zugewandten Küste Beach der Sithonia. Bei ihrer Gestaltung haben offensichtlich Astrid Lindgren und Pippi Langstrumpf mitgewirkt. Einfachheit ist Trumpf in dieser >Villa Kunterbunt<. Farbige Glühlampen, Hängematten, viel Bambus und bunt gestrichene Hocker, Tische und Bänke stehen auf einer Düne, ein paar Totems ähnliche Pfähle bedienen die Sehnsucht nach exotischem Flair. Feine Küche gibt es hier nicht, dafür Souvlaki-Spießchen im Pita-Fladen und Yoghurt mit Honig. Standardgetränk sind wie in allen Beach Bars des Landes exotische Biere wie Carib aus dem karibischen Trinidad oder Corona aus Mexiko. Die Flaschen sind klein, die Preise recht hoch - aber anders als Teutonen kommen die meisten Griechen ja stundenlang mit einem Bier aus. Sie schätzen seinen Geschmack, stillen den Durst aber lieber mit Wasser.

 

Langweilig wird eine Beach Bar-Recherche nie. Die Lokale sind so unterschiedlich wie ihre Betreiber. Johny Kostas in Votsalakia im Südwesten von Samos liebt das Flair alter Hippie-Zeiten. In seiner >Old Fashion Beach Bar< stehen die wenigen Tische und Stühle zum Teil direkt auf dem Sand. Den sehr legeren Service erledigen Johny, der lange in Wiesbaden lebte, und seine Frau Fotini ganz allein. Wobei sich Johny vor allem als DJ betätigt: Er hat inzwischen seine riesige Sammlung alter Vinyls vollständig digitalisiert Jeder Musikwunsch  der Gäste wird umgehend erfüllt. Besonders stolz ist der Wirt auf seine eigene kulinarische Erfindung: die Pit@Pitz@: eine Fladenbrot-Pita als Pizzagrundlage.

 

Ein anderes Wortspiel hat einer Beach Bar am westlichen Stadtstrand von Kos ihren Namen eingebracht.  Ihr Ursprung war eine einfache Fischerkneipe an einem >tarsanas<, einem Liegeplatz für im Winter an Land gezogene Boote. So hieß auch das Kafenio. Immer mehr Touristen kamen wegen seiner guten Strandlage her und interpretierten den Namen falsch: Für sie hieß das Lokal einfach >Tarzan<. Der junge Wirt , Angehöriger der moslemischen Minderheit auf der Insel,  nutze den Irrtum, dekorierte auf Dschungel um, kleidete sich als Urwaldheld, stieß regelmäßig Urschreie aus und engagierte auch noch eine Jane. Damit wurde die Beach Bar zum Kult. Im Hochsommer stehen hier die Liegestühle so dicht, dass der Getränkeservice auch von einem Boot direkt vor dem Ufer aus erfolgt. Wer ins Wasser will, muss sich wie ein Tarzan über die Liegen schwingen.

 

Während sich im Tarsanas vor allem junge Gäste aus Liverpool und Manchester wohl fühlen, zieht das Tam Tam zwischen Mastichari und Marmari auf Kos eher ein ruhigeres Publikum vor allem aus deutschsprachigen Ländern an. Hier spielt das natürliche Ambiente die Hauptrolle. Das weitläufige Lokal von Carola und Aris steht auf grünem Rasen in niedrigen Dünen gleich hinterm Strand. Palmen und Palmstrohschirme sorgen für etwas Exotik. Kühe weiden auf den abgeernteten Feldern gleich nebenan, die nächsten Hotels sind einige hundert Meter entfernt. Kinder haben viel Platz zum spielen; eine kleine Boutique mit Mode, Schmuck und Kleinkunst aus aller Welt ergänzt das Angebot. Irgendwie würde das Tam Tam auch gut zu Sylt oder Norderney passen.

 

Wieder ganz anders sind zwei Beach Bars westlich von Mastichari auf Kos. Am Protokaravas Beach ist das junge Bauernehepaar Tassos und Gianna recht neu im Geschäft. Oberhalb dieses an Rügens Kreideküste erinnernden Strandes haben sie auf einem winzigen Plateau 20 m überm Meer ihr kleines Lokal improvisiert. Nahezu alles, was auf den Tisch kommt, stammt aus eigenem Anbau und von eigenen Tieren. Sie bauen sogar das Viehfutter selbst an und machen im Spätherbst ihre eigene Holzkohle. Trotzdem reichen die Einnahmen nicht immer, um auch im Winter die Stromrechnung bezahlen zu können.  Eine Speisekarte gibt es bei ihnen nicht. Sie bereiten täglich frisch zu, was sie gerade ernten konnten. Kinder finden hier fast immer einen Spielgefährten, denn auch die drei Kinder (4, 7 und 10)des Wirtspaares sind fast immer präsent. Liegestühle am Strand gehören natürlich auch zum Angebot - anders als in den meisten Beach Bars ist da allerdings Self-Service angesagt.  

 

Zwischen dem Protokaravas Beach und Mastichari auf Kos besitzen zudem die Brüder Dimitri und Christos ein großes Stück Land. Auf dem betreiben sie ihre Dolphin Bay Beach Bar. Weitläufig auf dem Rasen verteilt stehen Tische und Stühle zwischen Tresen und Beach. Von treuen Stammgästen zeugen die vielen hölzernen Schilder überm Tresen und an etlichen Bäumen: Gäste haben ihre Vornamen darauf gemalt. Dimitiris und Christos können sich an alle erinnern. Ihr Knaller im Angebot ist ihr Mojito Die Minze dafür schneiden sie für jeden Gast frisch direkt aus den Beeten vor ihrer Terrasse.

 

Ernest Hemingways Lieblingsgetränk hat einer Beach Bar im Südosten von Rhodos sogar ihren Namen gegeben, Ein großes Schild und ein pinkfarbener Traktor machen an der Küstenstraße auf die Mojito Beach Bar aufmerksam. Aloe vera wächst da direkt am Haus: Wirt Andréas und seine Frau Dora benötigen sie für frisch gepressten Saft und ganz spezielle Mojitos. Zwischen Terrasse und Meer stehen knallbunte Tische und Stühle im Sand und auf hölzernen Plattformen in den Bäumen. Drinks und Snacks gibt's auch an den Liegestühlen. Hängematten sind aufgespannt, sechs Cabanas stehen Tag und Nacht kostenlos für Gäste bereit, die einen Power Nap machen oder auch hier übernachten wollen. Einmal die Woche machen Peruaner Live-Musik, so mancher Stammgast hat sein eigenes Instrument dabei. Mit dem traditionellen Kaiki eines befreundeten Fischers können Angeltouren unternommen werden; der Fang kommt dann gleich im Mojito auf den Grill. Wer gar nicht mehr weg will, kann auch eins von sieben schlichten Zimmern mieten. So kann man da gleich seinen ganzen Urlaub in einer Beach Bar verbringen.

 

Nicht immer liegen in Griechenland Beach Bars auf Meereshöhe. Wo sich Strände an Steilküsten entlang ziehen, müssen sie auch schon einmal auf die Klippen ausweichen - so wie auf Korfu. Da landet man leicht im >7th Heaven<, im Siebten Himmel bei Peroulades ganz im Nordwesten. Von den Plätzen direkt am Steilhang fällt der Blick hinüber zu vorgelagerten Inseln, Schiffe ziehen auf ihrem Weg vom Ionischen Meer in die Adria vorbei. wer zwischen den Drinks baden will, geht die Stufen hinab zum Strand, dessen Breite je nach Wind und Wetter zwischen einem und fünf Metern variiert.  Wer mutig ist, wagt sich auf den gläsernen Skywalk und sieht den Sand tief unter sich. Einen ähnlichen Skywalk gibt es übrigens auch am Leuchtturm von Keri auf Zakinthos - nur dass dort keine Stufen zum Beach hinab führen. Dafür sitzt man dort gut auf den Strohballen einer Kantina-Bar hoch über der Küste.

 

Auf Mykonos und Santorin liegen die Beach Bars zwar direkt am Wasser, dafür aber sind die Preise hier hoch oben angesiedelt. Auf Mykonos soll es dem Vernehmen nach welche geben, in denen Gäste Tagesrechnungen von mehreren tausend Euro ohne Wimpernzucken begleichen. Die Paradise Lounge am Paradise Beach gehört nicht dazu: Viele der Gäste in dieser ältesten, schon 1968 gegründeten Beach Bar der Insel wohnen auf dem angeschlossenen Campingplatz und sind äußerst preisbewusst. Tanzfreudig aber auch: After Beach Parties beginnen hier fast täglich schon vor dem Sonnenuntergang. Auf Santorin konzentrieren sich die besten Beach Bars auf den langen, sandigen Perissa Beach. Etwas weiter nördlich ist die Theros Wave Bar am völlig unverbauten Theros Beach das ästhetische Meisterwerk unter den Beach Bars. Unter dem an Pagoden erinnernden, mehrstufigen Palmstrohdach treten häufig Musiker aus aller Welt auf, spielen Klassik und Jazz, Rock und griechische Evergreens. Legendär sind die Vollmond-Parties im August in der von Lava und Bimsstein geprägten, ganz wilden Landschaft. Den ganzen Sommer über finden hier zudem Yogakurse statt. Wer mag, kann sich massieren lassen - und wie bei vielen Beach Bars im ganzen Land gehört auch ein Beachvolley-Feld zur Bar dazu.

 

Ganz andere Interessen haben die meisten Gäste in der Xanemos Beach Bar (bei südlichen Winden) und der Amaretto Beach Bar (bei nördlichen Winden) auf Skiathos. Sie suchen den Himmel nach herannahenden Urlauberjets ab. Hier treffen sich Plane Spotter aus aller Welt, denn sie gelten als beste Spots europaweit, um landende Flugzeuge zum Greifen nah über ihren Köpfen einschweben zu sehen. Besser geht das sonst nur noch auf St. Maarten in der Karibik, weil da die Flugzeuge meist größer sind.

 

Die Spotter beweisen: Man muss kein Strandfan sein, um Beach Bars aufzusuchen. Auch für Philosophen attraktiv ist etwa die Cuba Beach Bar am Proti Ammoudia Beach bei Olymbiada auf der Chalkidiki. Da steigen die täglichen Partys Mitte August auf einem Strand, an dem schon der kleine Aristoteles spielte, bildet sein Geburtsort - das antike Stagira - die nahe Kulisse. In der Imambara Beach Bar in der Stadt Korfu genießen die Gäste ihre exzellenten Signature Cocktails zwischen der ehemaligen Auswandererstation Faliraki und dem Alten Fort aus venezianischen Zeiten und in der Ronda Beach Bar in der Stadt Rhodos trifft sich die Yuppie-Szene der Insel in einem Rundbau aus italienischer Kolonialzeit.

Schöne Beach Bars gibt es zudem auf fast jeder griechischen Insel. Auf Limnos sitzen die Gäste im Cave Café in und vor einer Höhle in einem Küstenfels direkt unter der auf seiner Spitze erbauten Kirche. Von der Bayamo Beach Bar in Nea Potidea auf der chalkidischen Halbinsel Kassandra blicken die Gäste übers Meer auf den Olymp und die Pilion-Halbinsel, von der Beach Bar >The Rock< auf Andros aus haben sie das bildschöne Inselstädtchen vor Augen.  Und wer gar keine Musik hören mag - die in den meisten Beach Bars aber eine zentrale Rolle spielt - geht eben in eine der vielen Strandtavernen des Landes. Manche von ihnen haben sogar Tische und Stühle direkt auf den Sand gestellt, so wie die Fischrestaurants von Neos Marmaras auf der Chalkidiki oder die Taverne Paradisos an der Westküste von Naxos. Da findet auch der sein Paradies, der sanftes Wellengeplänkel für die schönste Musik am Wasser hält.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Richi (Donnerstag, 24 Februar 2022 16:44)

    ...und nicht zu vergessen "Jannis Paradise Bar" am Red Beach Matala auf Kreta. Das Motto steht groß an der Wand: "JANNIS THE MASTER - MOJITO THE BEST"! Hier scheint Bob Marley noch jeden Tag vorbei zu kommen :-)