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Hauptsache Griechenland

Hauptsache Griechenland

 

Uwe (55) und Veronika (70) sind in Sachsen-Anhalt geboren und in der DDR aufgewachsen, haben Griechenland erst nach der Wende bereisen können. Uwe hat dann gleich Kos, Kreta, Kalymnos und die Chalkidiki besucht, Veronikas erste Begegnung mit Hellas fand in Acharavi im Norden Korfus statt. Uwe war gelernter Bäcker, Veronika Kindergärtnerin. Bei beiden entwickelte sich unabhängig voneinander der Wunsch, dauerhaft in Griechenland zu leben. 

 

Dann lernten sie sich 1998 in Halle an der Saale kennen. Der Wirt einer der 15 griechischen Tavernen der Stadt, der mit beiden befreundet war, stellte sie einander vor. Uwe schaute Veronika wie hypnotisiert an und brachte kein Wort über die Lippen. Um ihn war’s geschehen. Sie war bei seinem Anblick erst einmal eher entsetzt: Der kräftige Mann trug drei protzige Ringe an den Fingern und eine goldene Panzerkette, die bis zum Bauchnabel hinunter hing. Aber die Sehnsucht nach Griechenland brachte sie dann doch zusammen. Im März 2000 ließen sie sich für immer auf Korfu nieder. 

 

Mit ihrer Kennenlern-Geschichte wären sie bald darauf fast in eine große Jörg Pilawa Show in der ARD gekommen. Sie hatten das Casting erfolgreich absolviert und sollten zur Aufzeichnung der Sendung für eine Woche nach Hamburg kommen. Doch es war Juni und sie hatten in Acharavi auf Korfu gerade „Veronika’s Café“ eröffnet. Das Lokal mit nur 40 Plätzen war ihnen wichtiger als die zu erwartende Popularität, sie sagten Pilawa ab.

 

Schon früh am Morgen stand Uwe da in seiner Backstube. Sein Brot und seine Brötchen waren nicht nur bei Touristen, sondern auch bei einigen Korfioten begehrt. „Manche Deutsche haben sogar 5 kg Brot mit nach Hause genommen,“ erzählt Uwe stolz. Seine Kuchen und Torten waren ebenso beliebt. Veronika musste sie immer verkosten, denn Uwe hat nie Kuchen und Torten gemocht. 

 

Von ihrem Geschäft leben konnten sie dennoch nicht, obwohl die örtlichen Behörden und Tavernenwirte und sogar der ortsansässige Bäcker sie nach Kräften unterstützten. Im Winter mussten Uwe und Vroni darum in österreichischen Skigebieten jobben, um ihr Leben auf Korfu finanzieren zu können. Sie haushalteten zwar sparsam – doch wenn irgendwo auf Korfu griechische Live Musik spielte oder sogar Stars der griechischen Musikszene große Konzerte gaben, mussten sie hin. Dimitris Mitropanos war bis zu seinem Tod im Jahr 2012 ihr Lieblingssänger. Dieses Hobby kostete viel Geld. 2005 war dann Schluss mit dem zwar anstrengenden, aber doch schönen Leben als Kleinunternehmer. Trotzdem stand eins für beide fest: Nach Deutschland würden sie nicht zurückziehen. Korfu war ihre Heimat geworden. Alles, was ihnen vom Café blieb, waren drei vollgeschriebene und -gemalte Gästebücher. In denen blättern sie ein wenig wehmütig auch heute noch häufig. In Deutschland war Veronika vor 14 Jahren zum letzten Mal; Uwe besucht jedes Jahr noch für zehn bis zwölf Tage seine Mama.

 

 

Ein Zuckerschlecken war das Leben auf Korfu nie. Veronika schuftete nach Schließung des Cafés jahrelang als Reinigungskraft in Hotels und Villen. Uwe verdingte sich zunächst noch in einer Bäckerei, später dann in einer großen als Auslieferungsfahrer für eine Blumenhandlung als floristischer Assistent für Blumenschmuck für große Familienereignisse wie Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse. Doch seit einigen Jahren ist er krank, muss dreimal wöchentlich von Acharavi aus morgens um Fünf von Vroni ins eine Fahrstunde entfernte Kerkyra zur Dialyse gebracht werden. Er bezieht jetzt krankheitsbedingt eine kleine Rente, während Vroni ein paar Taler von der deutschen Rentenversicherung erhält. Fröhlich geblieben sind sie trotzdem. Sie leben jetzt in einer Wohnung in einem kleinen Haus mit Garten bei Acharavi. Sie hören viel Musik – wenn auch nicht mehr live wie früher oft, als sie kaum ein Konzert auf der Insel ausließen. Vroni liest - vor allem Kriminalromane, die in Griechenland spielen. Und Uwe verfolgt enthusiastisch jedes Fußballspiel von Olympiakos Piräus und geht an Dialyse-freien Tagen öfters den ganzen Tag lang angeln. Ehrlich gesagt: Nach Deutschland würden die beiden wirklich gar nicht mehr passen.

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