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Rhodos nach den Bränden - Kann man da noch hin?

Im Juli dieses Jahres gingen Bilder von den schweren Waldbränden auf Rhodos in alle Welt. Jetzt fragt sich so mancher Urlauber: Kann man da überhaupt noch hin? Wir waren Ende September 2023 auf der Insel und haben die Lage ausführlich mit eigenen Augen gecheckt.

 

 

 

Die Inselmetropole mit ihrer einzigartigen, mauerumgürteten Altstadt liegt ganz im Norden der Insel. Sie blieb von den Feuern ebenso wie die Badeorte ganz in der Nähe einschließlich Faliraki, Afandou und Kolymbia völlig unberührt. Erste Spuren von Waldbränden sind erst beim Blick von der Nationalstraße zwischen Rhodos und Lindos hinterm Kloster Kato Tsambika auszumachen. Blickt man von dort auf das rhodische Orangental mit dem 35 km von der Inselnordspitze entfernte Malonas, erkennt man in den es umgebenden Wäldern braune Streifen und Punkte auf aschgrauem Grund. Hier hat das Feuer gegen Ende der Brandtage gelodert, konnte aber relativ gut in Zaum gehalten werden.

 

Weiter südlich sind zunächst keinerlei Brandspuren zu entdecken. Das schöne Lindos und dessen benachbarter Badeort Kalathos sehen aus wie eh und je – außer das Lindos am Ortsrand durch immer mehr Neubauten verschandelt wird. Auch Pefkos und der Strand von Lardos zeigen sich noch unbetroffen. Doch schon bei der Fahrt aufs Binnendorf Lardos ändert sich das Bild: Im Hintergrund des Dorfes sind viele verbrannte Bäume zu entdecken. Im Dorf selbst aber fallen keine Feuerschäden ins Auge.

 

Gezielte Löscharbeiten

Auf der Fahrt hinauf ins 10 km von Lardos entfernte Laerma sieht man dann deutlich, wie die Feuer gewütet haben – und wie erfolgreich die vielen Feuerwehrleute aus aller Welt und die vielen freiwilligen rhodischen Helfer doch waren. Verbrannte Wälder und mit Asche bedeckter grauer Boden nehmen zwar große Flächen ein, zumeist jedoch nur auf der linken Straßenseite. Von der Straße aus konnten die Flammen meist erfolgreich gestoppt werden. Auch um jedes einzelne Gebäude in Straßennähe wurde gekämpft, fast immer konnten sie erfolgreich verteidigt werden. Vereinzelt zeigt auch die Natur ihre Widerstandkraft. Vor und zwischen verbrannten Bäumen blühen Meerzwiebeln und so mancher Oleanderstrauch ist zur Hälfte versengt, steht zur anderen Hälfte aber in voller Blüte.

Am Ziel in Laerma angekommen, ist wieder Aufatmen angesagt: Das Dorf konnte nahezu vollständig gerettet werden. Wir fahren weiter zur Elpida Ranch eines deutsch-rhodischen Paares in einem kleinen Hochtal zwischen Laerma und dem altehrwürdigen, unversehrt gebliebenen Kloster Tharri. Bei Beginn der Brände waren die Inhaber Elpida und Takis mit ihren elf Pferden, einem Esel und ihren Hunden, zu denen sich immer mehr gesellten, ins elf Kilometer entfernte Dorf Profilia geflüchtet und campierten dort, bis die Feuer eingedämmt waren. Bei ihrer Rückkehr fanden sie die Ranch und das Tal unversehrt vor.  „Viele Engel haben ihre Flügel über unser Tal gespannt“, konstatiert Elpida. Auch Urlauber kommen inzwischen wieder zur Farm. Nach Möglichkeit führen die Ausritte mit ihnen zumeist durch Waldgebiete, die unversehrt blieben. Als besonderen, mittlerweile gut gebuchten Gag bietet Elpida aber auch „Gothic Rides“ an. Da geht s dann 60 Minuten lang nur über verbrannte Erde und Wälder in der Nähe.

 

 

Die reine Hölle

Unser nächstes Ziel ist der Küstenort Kiotari, in dem moderne All-inclusive-Hotelanlagen das Bild prägen. Deren Bewohner mussten im Juli mit Booten und zumeist ohne Gepäck und Ausweispapiere vom Strand aus evakuiert werden, anschließend bis zum Heimflug in Notunterkünften in der Stadt Rhodos ausharren. Die Fernsehbilder gingen um alle Welt und haben vor allem dazu beigetragen, dass Rhodos als zukünftiges Urlaubsziel totgesagt wurde. Gespenstisch ist das sich uns bietende Bild schon am ersten kleinen Ortsstrand, dem von niedrigen Dünen gesäumten Glistra Beach. Nur noch Baumruinen sind hier zu sehen, die große Strandtaverne ist zerstört. Im ganzen Ort reichen die deutlichen Brandspuren bis unmittelbar an die Strände und niedrigen Steilufer, umzingeln die Hotelanlagen, von denen viele schon wieder den Betrieb aufgenommen haben – denn auch hier haben Feuerwehrleute und freiwillige Helfer eine grandiose Arbeit geleistet, um zumindest die Gebäude zu retten. Die Strände jedoch waren Ende September fast menschenleer, Liegestühle und Sonnenschirme waren verschwunden, die Wassersportstationen geschlossen. Kiotari wird wohl auf Jahre hinaus unter den Brandfolgen zu leiden haben, denn als Urlaubsort empfehlenswert ist es für keinen mehr, der bisher kein Stammgast war und seine Menschen lieben gelernt hatte.

Auch die Bäume am Weg von Kiotari hinauf zum Binnendorf Asklipio sind alle kahl. Das Dorf selbst blieb dennoch weitgehend verschont. Sieben Familien verloren hier allerdings ihre Häuser am waldnahen Dorfrand. Die Kirche hat ihnen kostenlos Ersatzunterkünfte zur Verfügung gestellt; beim großen Dorffest am 14./15. August spendete die Dorfbevölkerung generös für ihre Unterstützung.

 

Die andere Inselseite

Südlich von Kiotari liegt dann etwa abseits der Küste der besonders bei Individualurlaubern beliebte Ort Gennadi. Hier sind die Brandspuren wieder deutlich geringer, die Strände wieder relativ gut besucht. Wir biegen hier ins Binnenland ab, wollen zur Westküste der Insel. Bis zum Dorf Vati stoßen wir noch auf vereinzelte Brandspuren, danach zeigt Rhodos sein gewohntes grünes Bild. Je länger wir von Apollakia aus über Monolithos, Siana und Embonas fahren, desto deutlicher wird uns: Alles Gerede vom total abgebrannten und nicht mehr besuchenswerten Rhodos ist purer Unsinn, gefühlt sind über 90% der Insel so intakt wie vor den Bränden im Juli. Rhodos ist wie eh und je jede Reise wert!

Brandspuren begegnen uns erst wieder am 798 m hohen Bergmassiv des Profitis Ilias; von der kleinen Straße Richtung Apollonas aus sind sie nicht zu übersehen. Insgesamt sind es aber nur Teilflächen im Grün der vielen erhaltenen Bäume.  Auf der Nordseite des Massivs gibt es keinerlei Brandspuren – und das üppige Grün hinter der mittelalterlichen Kirche Agios Nikolaos Fountoukli ist so intensiv wie sonst auch. Nur auf der Fahrt vom Profitis Ilias hinunter nach Salakos müssen wir noch einmal zwei Minuten lang durch ein verbranntes Waldstück fahren, dann haben wir die Waldbrandzone endgültig verlassen.

 

Folgen vorheriger Brände

Uns bleibt noch Zeit für einen Abstecher ins Schmetterlingstal. Bis kurz davor hat ein Waldbrand  auf einer kleinen Fläche 2021 gelodert. Dieses Areal macht leider keine Hoffnung auf eine schnelle Erholung der 2023 abgebrannten Wälder. Es sieht ihnen zum Verwechseln ähnlich. Staatliche Aufforstungsbemühungen gab es hier nicht; sie sind wohl auch für die jetzt betroffenen Flächen nicht zu erwarten. Kritiker fürchten, die Bäume würden jetzt vielleicht durch Windräder und Photovoltaik-Anlagen ersetzt. Und ein Gespräch mit dem engagierten Winzer Iasonas Zafirokoppoulos betrübt: 2021 verlor er seine gesamte Jahresproduktion und über die Hälfte all seiner Weinstöcke. Eine nennenswerte Entschädigung dafür gab es nicht, noch immer sind nicht alle Flächen neu bepflanzt. Aber Iasonas profitiert von seinem touristischen Programm, das er schon vot einigen Jahren eingeführt hat: Besucher können bei ihm an einer dreistündigen vinologisch geführten Tour durch seine Weinberge teilnehmen und anschließend verschiedene Weine, rund ein Dutzend vor Ort zubereitete Mezedakia und am Ende auch noch von ihm selbst destillierten Tresterschnaps genießen. Für ihn ist das ein Baustein zum Überleben – solange die Urlauber weiterhin und wieder nach Rhodos kommen.

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Kommentare: 1
  • #1

    kokkinos vrachos (Donnerstag, 23 November 2023 11:08)

    Fünf Orte, die Sie auf Rhodos nicht verpassen sollten

    "Griechenlands viertgrößte Insel galt in der Antike als Besitz des Sonnengottes Helios. Der verwöhnt sie bis heute mit reichlich Sonnenschein. An über 300 Tagen im Jahr lässt sich Helios auf Rhodos blicken, scheint dabei über 3.000 Stunden lang auf Strände, Berge, Steilküsten, Dörfer, archäologische Stätten und eine einzigartige mittelalterliche Stadt."

    https://www.griechenland.net/tourismus/reportagen/33831-von-der-sonne-verw%C3%B6hnt-f%C3%BCnf-orte,-die-sie-auf-rhodos-nicht-verpassen-sollten

    Am 19.11.2023 in der Griechenland Zeitung erschienen.

    Viele Grüße aus Hamburg, kv